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Gedenkstein im Rheinbogen – Mord vor 250 Jahren

Gedenkstein mit Inschrift Anno 1758...

Der wunderschöne Rheinbogen ein Ort des Verbrechens? Das legt jedenfalls die Inschrift des alten Gedenksteins am Weißer Leinpfad nahe: “Anno 1758 den 6. Februar wurde Johann Stemmeler von Brühl ermordet. R.I.P. – Er ruhe in Frieden.” So steht es hier, nur ein klein wenig ins heutige Deutsch übertragen.

Durch die alte Schreibweise und die zufälligen Umbrüche in den Worten sieht die Inschrift auf den ersten Blick ziemlich kryptisch aus. In Ruhe gelesen erschließt sich dann aber doch schnell die unmissverständliche und ziemlich brutale Botschaft. Ich bin vermutlich nicht die einzige, die fasziniert vor diesem Gedenkstein im Rheinbogen stand und sich gefragt hat: Wer war dieser Johann Stemmeler von Brühl? Warum wurde er ermordet und von wem? Wurde er an Ort und Stelle ermordet? Und nicht zuletzt – Wer versorgt den Stein mit frischen Blumen und zündet Grablichter an?

Die Antwort auf diese letzte Frage kenne ich leider immer noch nicht. Alles andere weiß ich jetzt, dank Markus Peters, der Einsicht in die historischen Polizeiakten zum Fall im nordrhein-westfälischen Staatsarchiv genommen hat. Im Anhang findet Ihr seinen ausführlichen Artikel, hier nur die Antworten auf meine und vielleicht auch Eure Fragen:

  • Wer war Johann Stemmeler? Er war der Sohn des Brühler Bürgermeisters Jacob Stemmeler. 1758 war er 21 Jahre alt.
  • Warum und von wem wurde er ermordet? – Die Polizei hat damals ermittelt, dass Stemmeler vier Tage vor seinem Tod einen heftigen Streit hatte mit  Anton Dominik und seinem Bruder Johann Georg, den Söhnen einer Gastwirtsfamilie. Stemmeler schlug Anton Dominik im Streit nieder. Worüber sie sich gestritten haben, weiß man nicht.
    Vier Tage später, es war Karnevalsdienstag, verschwindet Stemmeler spurlos. Als die Brühler Obrigkeit die Brüder zur Rede stellen will, sind sie bereits untergetaucht und wurden nicht mehr aufgefunden.
  • Wurde er an der Stelle des Gedenksteins ermordet? Nein. Der Leichnam mit Messerstichwunden an Kopf und Körper wurde sechs Wochen nach Stemmelers Verschwinden in der Nähe von Sürth zwischen Eisschollen entdeckt.
    Warum der Gedenkstein einige Rheinkilometer weiter nördlich steht, weiß man nicht. Stemmelers Grab markiert er jedenfalls nicht. Begraben wurde er auf einem Friedhof an der Brühler Kirche St. Margareta, den Friedhof gibt es heute nicht mehr.

Der vollständige Artikel als pdf:

Gedenkstein erinnert an Mord vor 250 Jahren – Ruhr Nachrichten

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